05* | Walter Dorwin Teague
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BESCHREIBUNG
Die "Gift Camera", also Geschenk-Kamera steht hier ausgeklappt vor Ihnen. Das Format des Gehäuses ist aus heutiger Sicht ungewöhnlich. Der Apparat ist 21 cm lang und in aufgestellter Form knapp 10cm hoch. Dafür, dass die gesamte Mechanik in ihrem Inneren Platz finden muss, ist sie mit nur 4cm Tiefe sehr schmal. Beim Aufklappen des Deckels schiebt sich die Linse nach vorne heraus. Statt der runden Form heutiger Objektive ist der Schutz der Mechanik eine ziehharmonika-artige Hülle aus schwarzem, beschichteten Leder, die sich in ausgezogener Form zur Linse hin verjüngt. Auffallend ist das Gehäuse der Kamera. Es ist mit Leder ummantelt. Der viereckige Linsendeckel und der Ring, der die Linse umgibt, sind mit einem geometrischen Dekor lackiertem Metall versehen: Vor einen roten, silbern umrandeten Kreis schiebt sich ein silbernes Quadrat. Diese Figur ist auf dunklem Grund aufgebracht und wird von einer Struktur aus Linien und Flächen in Braun, Schwarz und Silber umgeben.
Dieses Dekor und seine Farben wiederholen sich auf der Geschenkbox, die neben der Kamera liegt. Sie hat die passenden Maße für den zierlichen Apparat. Die Geschenkbox ist komplett aus Holz, die Seiten der Box sind schwarz lackiert, der Deckel mit den hier ebenfalls mit Lackfarbe aufgemalten Ornamenten ist silbern umrandet.

Walter Dorwin Teague gehört in den USA zu den Industriedesignern der ersten Stunde. Er studierte zunächst Bildende Kunst und war anschließend als Werbegrafiker und Typograf tätig. 1926 gründete er in New York eine der ersten Agenturen für Industriedesign und konnte als Kunden die Eastman Kodak Company gewinnen. Aus der fruchtbaren Zusammenarbeit stammen stilprägende Entwürfe wie die „Gift Camera“. Kodak hatte Teague um einen Entwurf gebeten, um im Weihnachtsgeschäft 1930 ein erfolgreiches Produkt platzieren zu können. Die Idee hinter der „Gift Camera“ ist genial: Der Designer gestaltete die Kamera so, dass sie mit ihren kostbar wirkenden Materialien und spiegelnden Elementen ein schickes Accessoire für die Damenwelt darstellte, den Herren der Schöpfung als Weihnachtsgeschenk aber kaum Arbeit machte, denn die passende Geschenkverpackung – ein kostbares Holzkästchen im gleichen Design wie der Apparat –, wurde direkt mitgeliefert.
Walter Dorwin Teague verstand es wie kaum ein anderer, technische Innovation und klassische Proportionslehre miteinander zu verbinden. Seine harmonisch wirkenden Produkte beruhen sehr häufig auf den Gesetzmäßigkeiten des Goldenen Schnitts. Beim Entwurf des geometrischen Ornaments der „Gift Camera“ teilte er die Strecken der Breite und Länge der Box jeweils durch die Zahl Phi (1,618…), die zur Errechnung des Goldenen Schnitts notwendig ist. Genau an diesen Schnittstellen platzierte er das kleine, allein stehende Quadrat sowie den Kreis in der gegenüberliegenden Bildfläche.

Foto: © Sascha Fuis Fotografie, Köln
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