06* | Alvar Aalto
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BESCHREIBUNG
Der finnische Architekt Alvar Aalto prägte ab den 1930er Jahren mit vielen ikonischen Entwürfen die internationale Moderne und war zugleich Vorreiter des organischen Designs. Bei einer Europareise Ende der 1920er Jahre lernte er die reduzierte Formensprache der Bauhaus-Künstler kennen und begann daraufhin, mit dem Werkstoff Holz zu experimentieren. Gemeinsam mit Otto Korhonen, dem technischen Direktor einer Möbelfabrik in Turku, entwickelte er ein Verfahren, Furnierholz so zu biegen, dass sich leichte, stabile Sitzschalen und Gestelle in weichen Wellenformen realisieren ließen. Ein eindrucksvolles Beispiel dieser Technik ist der Armlehnstuhl Nr. 31.

Dieser Stuhl besitzt keinerlei Polsterung und wirkt dennoch bequem. Von der breiten, nach hinten abgerundeten Rückenlehne her scheint das wellig gebogene, dünne Formholz wie eine Decke zu fließen: In einem Stück läuft es von hinten oben nach vorne unten, dann über die Sitzfläche, und über deren Kante hinweg, bis hinter die Beine des Sitzenden. Parallel zu dieser Wellenform biegen sich die auf gleiche Weise gearbeiteten Armlehnen, die im Vergleich zur niedrigen Sitzfläche verhältnismäßig hoch angesetzt sind. Der Verlauf der Armlehnen beginnt in Schulterhöhe des Sitzenden. Das flache Holz verläuft in einem Schwung nach vorne und hinunter bis zum Boden, wo es nicht als Beine endet sondern unter der Sitzfläche weiterläuft bis hinter die Lehne, so dass der Sitzende quasi in der Luft sitzt.
Dieses Form des hinterbeinlosen Stuhls bezeichnet man als Kragstuhl oder – wenn der Sitz nachgibt, als Freischwinger
Der Armlehnstuhl von Alvar Aaalto gehörte zur Ausstattung des Lungensanatoriums Paimio. Das Krankenhaus war Aaltos erstes bedeutendes Bauprojekt, das ihm den internationalen Durchbruch verschaffte.

Als Designer arbeitete er aber nicht nur mit Holz, sondern auch mit dem Werkstoff Glas. Aalto hatte 1936 bei einem Wettbewerb der finnischen Glasindustrie eine Entwurfsserie mit dem scherzhaften Namen „Lederhosen einer Eskimofrau“ eingereicht und gewonnen. Aus dieser Serie stammt sein berühmtester Entwurf, die Vase „Savoy“, die erstmals auf der Weltausstellung in Paris 1937 präsentiert wurde. Den heutigen Namen erhielt sie vom gleichnamigen Luxus-Restaurant in Helsinki, dessen gesamte Inneneinrichtung von Aalto stammt.

Diese Vase ist hier in drei verschiedenen Fassungen ausgestellt: Die größte der Vasen, ca. 16 cm hoch, besteht aus klarem farblosen Glas, das Glas der nächst kleineren ist dunkelblau und das der kleinsten milchig weiß. Die Schnittkanten sind kantig, nicht abgerundet. Alle drei Vasen haben die gleiche Form. Der Grundriss ist wellig mit nicht symmetrischen Ausstülpungen, wie eine Wolke oder ein Seeufer. Stünden Blumen in den Vasen, würden sich ihre Stiele in die Ausbuchtungen hineinschmiegen. Die Außenwand der Vasen verjüngt sich leicht nach unten hin.

Foto (Stuhl): © Rheinisches Bildarchiv Köln, Marion Mennicken
Foto (Vase): © Sascha Fuis Fotografie, Köln
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