34* | Marco Hemmerling, Ulrich Nether
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BESCHREIBUNG
Der „Generico Chair” ist ein Stuhl der Zukunft. Es handelt sich um einen Prototyp, also ein Vor-Serienprodukt, bei dessen Entwicklung nicht die äußere Form im Vordergrund stand, sondern der Mensch mit seinen Anforderungen an das Sitzen. Dazu haben Marco Hemmerling, Spezialist in Computer Aided Design (CAD), und Ulrich Nether, Fachmann in Produktdesign und Ergonomie, die gesamte Planung mit Angaben zu Körpergewicht, Bewegungsdynamik und Sitzkomfort im Rechner vollzogen. Würde der Stuhl zum Verkauf angeboten, so müsste er jeweils mit diesen Angaben ganz individuell auf seinen Besitzer eingestellt werden.
Hergestellt wurde der „Generico“ in einem 3D-Drucker mit flüssigem ABS-Kunststoff, der sich beim Abkühlen erhärtet. Das Material wurde in dünnen Schichten aufgebaut, die jetzt als feine Maserung in der Oberflächenstruktur erkennbar sind.
Eine ganze Reihe von Assoziationen wird beim Betrachten dieses Stuhls angestoßen, der vom Umriss seiner runden Lehne und Sitzfläche her an Bistrostühle erinnert.
Seine Struktur hat aber etwas von einem zähen Spinnennetz oder einem gekauten und dann in lange Fäden gezogenen Kaugummi. Man könnte auch an die poröse Struktur von Knochen denken, wenn man das löchrige, elfenbeinfarbene Konstrukt betrachtet oder befühlt. Allerdings ist die auf den ersten Blick organisch wirkende Oberfläche des Stuhls völlig symmetrisch aufgebaut. Die großen Öffnungen der netzartigen Struktur reihen sich in einem System über Sitzfläche und Rückenlehne, die Beine wachsen ebenfalls symmetrisch, in mehreren Strängen aus der Sitzfläche heraus, die sich nach unten hin bündeln und schmal zusammenlaufen. Die Beine stehen in vier Richtungen leicht gespreizt vom Stuhl ab. Wie in gotischen Kathedralen haben die Designer hinter der Lehne eine zusätzliche Stütze eingebaut, die von der Oberkante der Rückenlehne nach hinten weg ragt und sich am Boden mit den nach hinten gespreizten Stuhlbeinen wieder verbindet. Das verleiht dem Stuhl mit seiner filigranen Struktur den Eindruck einer großen Stabilität.
Im Druckvorgang können sogar unterschiedliche Kunststoffe verwendet werden: Bei diesem Modell wurde in ergonomisch relevanten Bereichen, wie der Sitzfläche, ein weicherer Kunststoff als in der tragenden Struktur eingesetzt.
Der Druckvorgang dauerte recht lange: Zweieinhalb Wochen und 24 Stunden am Tag musste der 3D-Drucker arbeiten. Daher ist die serienfertige Möbelproduktion im 3D-Druck momentan noch zu aufwändig und teuer, die Technologie wird zurzeit hauptsächlich für die Entwicklung von Prototypen und Kleinserien eingesetzt.

Foto: © Dirk Schelpmeier
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