27* | Richard Sapper
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BESCHREIBUNG
Richard Sapper gehört zu den bedeutendsten deutschen Produktdesignern des 20. Jahrhunderts. Er arbeitete für Firmen wie Artemide oder Alessi und war als Designberater für Fiat, Pirelli und IBM tätig. Als sein wichtigstes Produkt gilt die Tischleuchte „Tizio“, die er 1970 entworfen hatte, und die 1972 von Artemide auf den Markt gebracht wurde.
Die „Tizio“ zeichnet sich durch ein ausgeklügeltes Balancesystem aus, das es ermöglicht, den Leuchtenkopf ganz einfach in die gewünschte Höhe und Richtung zu bringen. Dazu besitzt sie drei Gelenke und zwei Gegengewichte.
In ihrem Gesamteindruck wirkt die Tischlampe einerseits filigran, andererseits durch die unterschiedlich schweren Gewichte, völlig stabil. Ihre Standfestigkeit erhält sie von dem zylinderförmigen Fuß mit 11cm Durchmesser und ähnlicher Höhe. Auf ihm ruhen zwei flache, parallel nach oben ausgerichtete Stäbe, die das unterste Gelenk des Lampengestells halten. In diesem Gelenk ruht, in Form von zwei ebenfalls parallele Schienen von 53 cm Länge, der untere Teil des Lampenarmes. Er lässt sich mit großer Leichtigkeit um das Scharnier herum weit nach oben oder unten schwenken. Am kürzeren Ende dieser Schiene ist ein flaches Gewicht angebracht, das längere Stück endet im oberen Teil des Arms, der in der gleichen Weise verbunden und beweglich ist. An seinem oberen Ende ist der Leuchtkopf befestigt, ein kleiner, schwenkbarer, rechteckiger Schirm, der eine mit Glas abgedeckte Halogenleuchte umfasst. Durch ein Gegengewicht bleiben die beiden Teile des Lampenarms in einer perfekten Balance, egal in welche Richtung man sie schwenkt und zieht – ob nach oben in Richtung Decke gestreckt oder lang nach vorne gebeugt.
Bei der hier ausgestellten Lampe sind bis auf wenige Ausnahmen alle Teile schwarz. Einige kleine Schraubelemente an der Innenseite der Gelenke und der An- und Ausschaltknopf sind rot, außerdem befindet sich am Leuchtkopf - zur Justierung seiner Ausrichtung - ein sehr feiner, ungefähr 5 cm langer silberfarbener Stab, der, wie eine Stecknadel, in einem roten kugelförmigen Abschluss endet.
Richard Sapper entwickelte die „Tizio“ gemäß seiner eigenen Bedürfnisse: Sie sollte eine großen Aktionsradius haben und gleichzeitig wenig Platz beanspruchen. Zudem sollte es möglich sein, eine Stelle eher punktuell zu beleuchten. Die Niedervolt-Beleuchtung war Anfang der 1970er Jahre eine technische Innovation, die viele Designer inspirierte.
Der Erfolg der „Tizio“ gab Sapper in seinen Ansprüchen recht, 1979 wurde das Produkt mit dem „Compasso d’Oro“, der wichtigsten Design-Auszeichnung Italiens, prämiert. Übrigens: Nach eigener Aussage hat Sapper beim allerersten Prototyp das Gegengewichtssystem mittels mit Wasser gefüllter Marmeladengläser getestet.

Foto: © Rheinisches Bildarchiv Köln, Marion Mennicken
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