03* | Marcel Breuer
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BESCHREIBUNG
Marcel Breuer gehört zu den innovativsten Gestaltern der Klassischen Moderne. Der gebürtige Ungar war der erste, der in den 1920er Jahren Möbel aus Stahlrohr entwarf. Dieses Material kam bis dahin in Industrieanlagen, im Heizungsbau oder in Krankenhäusern zum Einsatz, nicht jedoch in den Wohnzimmern der Privathäuser. Der Legende nach inspirierte ihn dazu der gebogene Lenker eines neu erworbenen Fahrrads der Marke Adler. Ab 1925 entstanden Sitzmöbel und auch Tische aus dem bis dahin ungewöhnlichen Material. Besonderen Reiz erhielten diese Möbel durch die Kombination des kühlen, harten Stahlrohrs mit warmen, weichen Materialien wie Holz, Textilien oder Rotang-Geflecht. 1928 entstand Breuers erster Kragstuhl – ein Stuhl, der keine Hinterbeine besitzt, sondern ein kubisches Kufengestell.

Das Gestell aus Stahlrohren glänzt silbern. In einer Schwingung windet es sich von dem Bogen, der die hinteren Beine ersetzt, rechts und links über den Boden nach vorne, steigt dann zu den Armlehnen hinauf und läuft hinter der Rückenlehne wieder zusammen. In diesem geschlossenen Gestell ruht der Rahmen von Sitzfläche und Lehne, der ebenfalls aus einem einzigen Rohr gebogen wurde. Dieser Rahmen ist an der Rückenlehne nur halb hoch und neigt sich dort leicht nach hinten. Vom Rücken verläuft das Stahlrohr nach vorne und endet offen, mit einem geraden Abschluss, an der Vorderseite der Sitzfläche. Für Rückenlehne und Sitzfläche wurde ein roter Stoff zwischen die Rohre gespannt. Unter der Sitzfläche verlaufen – zur Stabilisierung der Sitzfläche – zwei flache Bögen aus dünnerem Stahlrohr.

Der Niederländer Mart Stam hatte einen solchen Stuhl zu diesem Zeitpunkt bereits aus Gasrohren entworfen, an den gebogenen Verbindungsstücken musste dieser jedoch mit Eisen verstärkt werden. Breuers Kragstuhl aus Stahlrohr kam ohne Versteifungen aus und konnte so beim Sitzen nachfedern. Daher wird dieser Stuhltypus auch „Freischwinger“ genannt. Die luftige Konstruktion der Stahlrohrmöbel passte hervorragend zu den sachlichen Architekturen der Bauhaus-Zeit. Ihre besondere Ästhetik ist jedoch nach wie vor aktuell, Firmen wie Knoll International und Thonet stellen die Breuer’schen Stahlmöbel bis heute her.

Foto: © Rheinisches Bildarchiv Köln, Marion Mennicken
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