29 | Guido Drocco, Franco Mello
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BESCHREIBUNG
In den 1960er und -70er Jahren entstanden in Architektur und Design Gegenbewegungen zum Funktionalismus, wie er beispielsweise in den 1950er Jahren von der Hochschule für Gestaltung in Ulm vertreten wurde. Ausgehend von Italien setzten Vertreter des Anti und Radical Design utopische Ideen und Visionen gegen die bis dahin gültige „Gute Form“. Sie stellten radikal in Frage, wie ein Produkt oder ein Möbel auszusehen hatte. Ein wichtiger Hersteller war die 1966 gegründete italienische Firma Gufram, die ganz besonders mit innovativen Materialien wie Polyurethanschaum arbeitete.

1972 entwarfen die beiden Designer Guido Drocco und Franco Mello für Gufram das bekannteste Möbel dieser Zeit, die Standgarderobe „Cactus“. Es handelt sich um einen überdimensionierten Kaktus mit vier Armen, der aber anstelle von Stacheln auf der Oberfläche eingedrückte, weiche Noppen aufweist. Die grüne Oberfläche ist mit einer besonderen Farbe beschichtet. Es handelt sich um Guflac, das sich Gufram bereits in den 1960er Jahren patentieren ließ. Sein Rezept wird bis heute ähnlich geheim gehalten wie das von Coca Cola. Guflac zeichnet sich durch eine glänzende Optik aus, ist abwaschbar und bleibt aber auf dem PU-Schaum weich und flexibel.

"Cactus" wurde in streng limitierter Stückzahl aufgelegt und findet sich in allen großen Design-Museen. Aktuell hat Gufram sechs verschiedene Re-Editionen des Garderobenständers im Programm, jeweils wieder in begrenzter Produktion. Jeder "Cactus" wird auch heute noch in Handarbeit gefertigt, was bedeutet, dass die über 2000 Noppen per Hand nachgearbeitet werden und auch die Farbbeschichtung manuell erfolgt.

Foto: © Rheinisches Bildarchiv Köln, Marion Mennicken
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